Die deutsche Geschichte folgte uns seit Swinemünde auf Schritt und Tritt. Wie oft mussten wir lesen, dass ursprünglich historisch bedeutsame Orte mit schöner Architektur am Ende des 2. Weltkriegs völlig zerstört wurden, z.B. hier, Gołdap, wurde zu 90% dem Erdboden gleich gemacht.

Gestern waren wir mitten in Masuren in den Ruinen der Wolfsschanze, wo von 1940 bis 1944 das sogenannte Führerhauptquartier war. Genau dort, wo Hitler und sein engster Befehlskreis die Vernichtungspläne ausgearbeitet haben: 12 Meter hohe Bunker mit doppelten mehr als 3 Meter dicken Mauern, große, fensterlose Besprechungsräume, alles gut getarnt zwischen hohen, dicht-stehenden Bäumen, dort wo Stauffenberg den Attentatsversuch unternahm. Bedrückend.

Seit gestern sind wir in Gołdap. Wir mussten eine Pause einlegen: Alexanders Rad musste in Reparatur (Speichenbruch, Schalthebel für die Übersetzung kaputt).

Anlässlich der Grenzverschärfungen zwischen Polen und Russland kommt morgen der polnische Verteidigungsminister zu Besuch! Die Grenze zu Kaliningrad ist hier kaum 5 Kilometer entfernt.

Noch ein paar Gedanken zu enttäuschten Erwartungen: nach wie vor werden wir von schwer passierbaren Wegstrecken überrascht. Diese Straße (s.u.) wurde nicht nur als Fahrradweg, sondern auch als asphaltierte Rennradstrecke ausgegeben. Ich schätze, wir mussten 20 Kilometer so fahren (man hofft ja immer, dass es nach der nächsten Biegung besser wird!). Da hilft nur Humor!

Die fast größere Enttäuschung sind die fehlenden Kontakte. Ein ganz entscheidender Grund für mich, mit dem Fahrrad zu reisen, ist die Nähe zu den Menschen. Diese Nähe hat sich nie eingestellt. Ich hätte mich schon über einen Gruß, ein Lächeln gefreut. Stattdessen kam mir Gleichgültigkeit entgegen, Ignoranz, selbst die Kinder haben mich links liegen lassen. Natürlich gab es Ausnahmen, aber kein Auto hat jemals angehalten, wenn wir ratlos an einer Kreuzung standen. Im Gegenteil: egal ob sie uns überholt haben oder uns entgegen kamen, da wurde kein Fuß vom Gas genommen. Überwiegend.

Und leider treffen wir auch keine anderen Radreisenden .. soo schade. Der Austausch täte so gut!! Mal sehen, wie es weitergeht? Morgen erreichen wir die litauische Grenze.

Vorgestern Camping am Święcajty-See am nördlichsten Zipfel der masurischen Seenplatte.